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Immer mehr Frauen an der Front!

Weinbranche zunehmend in weiblicher Hand

Die Weinbranche ist konservativ und Männersache! Zumindest war das in der Vergangenheit so. Zwischen Kellermeistern und Weinbauern hat immer noch das vermeintlich starke Geschlecht das Sagen. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan, und es ist nicht zu übersehen, welch starker Wandel sich in dieser von Männern dominierten Branche vollzogen hat.

Sommeliere Natalie Lumpp


Wein ist ihr Ding

Was hat das echte Freiburger Bobbele dazu bewogen, Sommeliere zu werden?

„In Baden ist es ja selbstverständlich, dass es zum Essen auch ein Gläsle Wein gibt. Schon als Jugendliche hat es mich interessiert, Weine zu probieren – natürlich immer nur einen Minischuck – und ich war von Anfang an fasziniert, dass sie immer wieder anders schmecken! So war für mich schnell klar: „Wein ist mein Ding!“ Eigentlich war Natalie Lumpps erster Gedanke, Winzerin zu werden. Doch damals war es noch sehr ungewöhnlich, als Mädchen eine Winzerausbildung zu machen. Deshalb war die Gastronomie das Nächstliegende.“

Vielleicht auch deshalb, weil ihre Mutter das Familienunternehmen Hotel „Adlerburg“ in Au bei Freiburg führte. Auf jeden Fall begann sie 1987 als 16-Jährige ihre Ausbildung im Hotel „Engel“ in Horben. Mit ihrem Abschluss als Hotelfachfrau in der Tasche folgten diverse Stationen als Chef de Rang in führenden Häusern des Schwarzwaldes wie der „Traube Tonbach“ und dem „Bareiss“, wo sie bald Chef-Sommelière wurde. Von 1998 bis 2000 leitete sie das Restaurant „Imperial“ Schlosshotel Bühlerhöhe. Danach gründete sie ihr eigenes Unternehmen in Baden-Baden. Mit „Wein erleben!“  organisiert sie Weinseminare und Reisen, ist deutschlandweit als Weinberaterin begehrt. Außerdem ist die Weinfachfrau freie Autorin und Weinkolumnistin für zahlreiche Wein- und Gourmetzeitschriften und Zeitungen wie „Der Feinschmecker“, „Berliner Zeitung“ und „Brigitte“. Darüber hinaus ist Natalie immer wieder gern gesehener Gast im Fernsehen. Ansonsten lebt sie mit ihrem zweiten Ehemann, einem Arzt, und dem gemeinsamen Sohn Jonas in Baden-Baden. Doch sie ist nach wie vor viel auf Reisen, um immer wieder etwas Neues zu probieren. „Aktuell sind es die chinesischen Weine“, verrät sie. Und es gibt immer noch nichts Schöneres für sie, als über Wein zu erzählen.

Kontakt und Infos: www.natalie-lumpp.de

Önologin Franziska Schätzle  


Winzerin aus Leidenschaft

Die 31-jährige Weinfachfrau praktiziert an der Seite ihres Vaters Thomas Schätzle mit Lust und Leidenschaft den Generationswechsel. Kein Wunder: „Ich bin verliebt in meinen Beruf“, schwärmt sie. Das ist auch als Tochter eines Winzers nicht selbstverständlich, denn ihre beiden Schwestern sind Ingenieurin und Ärztin. „Wir haben zwar alle drei in der Freizeit und den Schulferien verschiedene Tätigkeiten im Weingut übernommen. Doch mir hat es am meisten Spaß gemacht. Darüber haben sich meine Eltern natürlich sehr gefreut, obwohl sie nie gezielten Druck durch eine konkrete Erwartungshaltung auf uns Kinder ausgeübt haben.“ Vom heimatlichen Weingut im Kaiserstuhl zog es Franziska einige Jahre hinaus in die weite Welt. In Spanien, Frankreich und Neuseeland gewann sie berufliche Erfahrungen und ein großes Wissen. Das konnte sie zum Beispiel 2009 unter Beweis stellen, als sie von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zur „Jungwinzerin des Jahres“ gekürt wurde. „Ich hatte alle männlichen Konkurrenten hinter mir gelassen“, betont sie stolz.

Überhaupt werden es immer mehr Frauen, die in vorderster Front ein Weingut oder einen Winzerbetrieb führen. Sicher ist der Weg einer gut ausgebildeten Winzerstochter im eigenen Weingut ein Stück vorgezeichnet. Aber mittlerweile sind die Frauen nicht zuletzt durch ein gewisses Maß an technischem Fortschritt nicht mehr so sehr auf männliche Muskelkraft angewiesen. „An vielen Stellen entscheidet heute eher Kompetenz und Fingerspitzengefühl – und letzteres ist ja angeblich eine weibliche Tugend“, schmunzelt Franziska. Mit ihren Töchtern Katharina und Magdalena, vier und zwei Jahre alt, wächst bereits die vierte Generation Schätzle-Winzer heran. „Sie haben noch alle Zeit der Welt, um festzustellen, ob sie den Winzer-Virus in sich tragen. Denn diesen Beruf kann man nur erfolgreich ausüben, wenn man täglich mit voller Leidenschaft dabei ist.“

Kontakt und Infos: www.weingutschaetzle.de

Kellermeisterin Christiane Huck-Wagner


Kombiniert Bewährtes mit neuen Technologien

Seit 1992 führt sie zusammen mit ihrem Mann Roland Wagner das Weingut ihrer Familie, das sie vor einem Jahr in dritter Generation übernahm. Christiane Huck-Wagner ist zurzeit die einzige Kellermeisterin, die im Markgräflerland handwerklich tätig ist. Nach dem Abitur sammelte sie zuerst praktische Erfahrungen durch eine Winzerlehre. Dann ließ sie sich zur Weinbautechnikerin weiterbilden, stieg in den elterlichen Betrieb ein und übernahm dort unter anderem die Verantwortung für den Weinausbau. Wie Franziska Schätzle hat auch sie zwei Schwestern, von denen sich die ältere für eine Hauswirtschaftslehre entschieden hat, die jüngere einen Winzer heiratete. Christiane war diejenige, die von klein auf immer mit den Eltern in den Weinbergen war und sich am meisten für die Reben interessiert hat. „Der Gedanke, eines Tages den Familienbetrieb zu übernehmen, hat sich im Laufe der Jahre immer mehr gesteigert. Als ich dann meinen Mann kennenlernte und wir zusammen in das Weingut eingestiegen sind, war es für uns alle perfekt.“

Die Nachfolge ist auch schon geregelt. Tochter Simone studiert in Heilbronn Weinbetriebswirtschaft und Sohn Oliver hat bereits eine abgeschlossene Winzerausbildung. Beide möchten nach Ihrer Ausbildung und einiger Berufserfahrung das Weingut weiter zu führen. Darüber ist Christiane sehr glücklich. So kann sie in aller Gelassenheit ihre beruflichen Ziele verfolgen, ohne sich eines Tages fragen zu müssen: „Wofür das alles eigentlich?“ Sie möchte nämlich weiterhin immer auf dem aktuellen Stand bleiben und neue Technologien mit bereits Bewährtem nutzen, um noch bessere Weinqualität zu erreichen. Bis jetzt hat sich die Mühe auf jeden Fall gelohnt. Durch aufwändige Qualitätsarbeit in ihrem Weinberg, von einer schonenden Bodenbearbeitung bis zur Ertragsregulierung durch gute Laubarbeit sicherte sie die schon mehrfach prämierte Qualität ihrer Weine.

Kontakt und Infos: www.huck-wagner.de

Weinhändlerin Martina Buchholz


Ohne Wein geht gar nichts

„Ich bin ein echtes Baden-Badener Gewächs, im Josefinenheim geboren“, lacht Martina Buchholz. Nach dem Schulabschluss war sie eine der ersten in Deutschland, die den neuen Studienzweig BWL mit Schwerpunkt Tourismus studierten. Das erste Semester beinhaltete ein Praktikum, das sie bei der damaligen Bäder- und Kurverwaltung im Haus des Gastes in Baden-Baden absolvierte. Tourismus und Wein war von jeher eine gute Verbindung. Zu beidem hatte Martina Buchholz schon sehr früh eine Affinität. „Bei uns zu Hause wurde schon immer gut gekocht und gerne ein Glas Wein getrunken“, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Während ihre Freundinnen süßen Lambrusco süffelten, war Ihr Lieblingswein damals ein Neuweierer Riesling, Altenberg trocken. „Ein Riesling gehört heute noch zu meinen Lieblingsweinen.“ Sowohl früher bei ihrer Familie als auch bei ihrem Mann und ihr spielte und spielt Wein in allen Lebenslagen immer eine große Rolle. Seit sechzehn Jahren sogar beruflich, denn im Jahr 2000 machten sich Martina und Joachim Buchholz mit einem eigenen Geschäft für Genussvolles – „City and more“ – selbstständig. Also trinkt die ehemalige Tourismusmanagerin gute Tropfen nicht mehr nur, sondern handelt inzwischen auch damit und organisiert individuelle Weinreisen. Das Besondere an ihr ist, dass sie ihr Credo verinnerlicht hat und es mit jeder Pore ihres Körpers ausstrahlt: „Ich möchte Wein nicht nur an Leute mit dickem Bankkonto verkaufen, sondern auch an solche mit kleinem Budget, aber großer Leidenschaft für Wein.“

Kontakt und Infos: www.cityandmore.de

Weinhändlerin Pia von Drabich-Waechter


Wein war immer ein Teil ihres Lebens

Die gebürtige Baden-Badenerin ist mit Wein aufgewachsen, denn bereits zum Zeitpunkt ihrer Geburt 1969 arbeitete ihr Vater im Weinvertrieb. So hatte sie schon als junges Mädchen das Glück, wunderbare Weine aus ganz Europa, vor allem aus dem Burgund, kennenzulernen. Nach Abschluss ihres Volkswirtschaftdiploms in München arbeitete sie in einer Incentive-Agentur in der bayerischen Metropole. „Hier konnte ich meine Reise- und Organisations-Lust ausleben. Nachdem der Vater ihr 1997 angeboten hatte, in seine neu gegründete Firma „Tastevin Weinhandelsgesellschaft“ mit einzusteigen, vertiefte Pia zunächst ihre Weinkenntnisse. Sie ging für ein halbes Jahr nach Frankreich, machte zum Beispiel Praktika in den Weinanbaugebieten Burgund, Beaujolais und Bordeaux und vor allem – probierte jeden Morgen Wein probiert. „Um elf Uhr sind die Geschmacksnerven am besten ausgeprägt.“ Und seitdem heißt es „learning by doing“. „Jedes Glas Wein, das ich probiere, bringt mich einen Schritt weiter.“ Nebenbei eignete sie sich in der Abendschule das theoretische Wissen an. 1998 war es dann soweit, dass Pia in die Firma ihres Vaters eintrat. Nach seinem Tod gründete sie 2013 einen weiteren Weinvertrieb, in den sie ihr ganzes Herzblut, Wissen und Netzwerk steckt. Sie nannte ihn „Weinhelden“, denn: „Hinter jedem Wein steht ein Winzer, der ihn mit harter Arbeit, voller Leidenschaft und Können kreiert und dafür unermüdlich im Einsatz ist. Deshalb sind Winzer die wahren Helden in meiner neuen Weinwelt.“ Sowohl in ihrer Weinboutique als auch in ihrem Internet-Shop stellt sie zu jedem Wein den entsprechenden Winzer vor. Zum Beispiel mit Videos, Steckbriefen, Fotos oder aktuellen Posts. „Auf diese besondere Art und Weise möchte ich meinen Kunden das Gefühl geben, als hätten sie den Wein direkt vor Ort selbst entdeckt.“

Kontakt und Infos: www.weinhelden.de


Text: Veruschka Rechel für www.ilovebadenbaden.de

Fotos: Arnim Faber; City and more; Klaus Hennig-Damasko; Veruschka Rechel; Weingut Huck-Wagner; Weingut Schätzle; Weinhelden

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